Pilgerinformationen

Die Pilgerherberge in Grañón / Spanien

unterstützt von der „Fränkischen St. Jakobus-Gesellschaft“

Die historische Pilgerherberge in Grañón in der spanischen Rioja, wurde mit der Hilfe der „Fränkischen St. Jakobus-Gesellschaft“ renoviert und wieder eröffnet. Der Ort Grañón liegt ca. 7 km von dem bekannten Ort des sog. „Hühnerwunders“ Sto. Domingo de la Calzada“ entfernt. Die historische Herberge ist durch ihre besondere Pilgerbetreuung recht beliebt geworden.
Irene und Bruno Schäfer (Vizepräsident der „Fränk. St. Jakobus-Ges.) betreuten im Juni 1999 vier Wochen als Hospitaleros die Herberge.

Irene Schäfer hielt ihre Eindrücke in einem Tagebuch fest. Aus diesen Schilderungen erschließt sich der besondere Geist dieses Ortes: Erstmals sah ich die Getreidefelder und das Dorf, das heimelig, sauber, schön ist. Die große romanische Kirche ist der Mittelpunkt, die Häuser ducken sich eng aneinander geschmiegt um die Kirche herum. Der seitliche Anbau dieser Kirche, Jahrhunderte alt, ist unsere Herberge. Der Pfarrer: José Ignacio, er hat ein besonderes Charisma. Er lebt aus der Tiefe, aus den Wurzeln, aus dem Fundament tiefer Religiosität. Einfachheit, Glaube, Liebe zu Gott und zu den Menschen.

Die Kirche aus dem 13. Jh. hatte eine Klosterkirche als Vorgängerin. Auf Brunos Frage nach dem Orden der hier angesiedelt war, kam die Antwort: „Das war die seltene Blume Einheit. Hier haben Juden, Christen und Moslime in einer Gemeinschaft gelebt, gebetet, gearbeitet.“ Ja, das ist der Grundstock dieses Hauses, wer einmal dort hin kommt, dort lebt, wie wir es getan haben, der erfährt, dass dieser Geist noch immer spürbar erhalten ist. Anders als in anderen Herbergen gibt es hier jeden Abend eine Abendmesse. Danach ist gemeinsames Abendessen für alle Pilger. Dann bleibt man bei Gespräch und Kräutertee - oft mit Liedern - sitzen, bis um 22 Uhr das >orasion de la noche< im Chorgestühl der Kirche den Tag beendet. Zufriedenheit breitet sich jeden Abend in unserer Herberge aus – und damit Frieden!

Vom Bezahlen muß ich noch erzählen. In der Diele auf dem Tisch steht ja eine kleine Truhe – im geöffneten Deckel steht auf spanisch: „Lege hinein was du kannst – oder nimm dir heraus was du brauchst“. Hier legten die Pilger also was hinein und ich nahm daraus morgens immer das Geld, das ich am Vortag für die Verpflegung der Pilger ausgegeben hatte. Den Rest verwahrten wir in einer Büchse. Immer mußten aber 1200 PTS in der Truhe bleiben, das war José Ignacios Wunsch. Es muß was drin sein, wenn einer etwas braucht! Mit dem „Nimm was du brauchst“ hatte ich meine Schwierigkeiten. Mir zitterten die Knie, als einmal die 1200 PTS weg waren! Und ich gestehe es, wenn ich mich so mühte und die Pilger verwöhnte, alles schön war und gut, dann war ich doch etwas gekränkt, wenn nicht viel in der Kasse war. Aber meistens hatten wir gute Ergebnisse. Es tut mir sehr leid und wie oft habe ich geistig um Verzeihung gebeten und es auch Jakobus gesagt, er möge es ausgleichen.Pilger mit Hunden, Pilger mit Esel, Pilger mit dem „Golfkarrele“, Pilger mit Partner, mit Kindern oder solo, Pilger auf dem Rückweg, Pilger aus aller Herren Länder – wir haben Station sein dürfen zum Rasten, zur Einkehr, zum Auftanken für Leib und Seele. Wir sind dankbar, dass wir dies alles erleben durften.John und Oktavio, zwei junge Männer aus den USA, sagten uns beim Abschied: „Wir sind hier Gast gewesen – wir haben hier Gott gesehen und erlebt!“