Pilgerinformationen

Was der Pilger so braucht - Hinweise zum Reiserucksack

Harte Asphaltstraßen, erklärte mir jemand, seien das richtige für einen Pilger, denn ein Pilger müsse leiden. Das hatte wohl seine Berechtigung bei den Buß- und Strafwallfahrten des Mittelalters. Heutzutage wird jeder versuchen, sich solche Leiden zu ersparen. Zumindest sollten sie nicht bei schlechter Ausrüstung beginnen. Niemand kann wohl behaupten, die ideale Ausrüstung zu kennen. Da sich die meinige aber auf dem gut 2500 km langen Weg zwischen Ansbach und Santiago bewährt hat, möchte ich meine Erfahrungen den Nachfolgern weitergeben. Auf den Stock, der ja geradezu zu einem Symbol des Pilgers geworden ist, sollte man auch dann nicht verzichten, wenn man ihn wegen seiner Jugend für überflüssig hält. Er entlastet ständig die Beine, ist eine spürbare Hilfe bei Steigungen und schont beim Abstieg die Kniegelenke. Manches Stolpern läßt sich mit ihm abfangen, und gegenüber kläffenden Hunden macht er Mut. Gut bewährt hat sich ein Teleskopskistock (leicht und zwischendurch auf ein nicht störendes Maß reduzierbar). Unentbehrlich: ein breitkrempiger Hut zum Schutz vor Hitze, Regen und blendendem Sonnenlicht. Von Halbschuhen oder leichten Sportschuhen würde ich abraten. Ein einziger falscher Tritt bei zu leichtem Schuhwerk kann ja u.U. das Ende der Wanderung bedeuten. Ich bin die ganze Strecke in Trekkingstiefeln (gut ist z.B. die Marke Lowa) gelaufen. Trittsicherheit, Entlasten und Stützen der Gelenke machen das höhere Gewicht, das man übrigens bald nicht mehr empfindet, bei weitem wett. Bekanntlich sollten Wanderstiefel mindestens eine halbe Nummer größer sein als die Schuhe, die man sonst trägt: die Füße schwellen an und sollten auch dann noch so viel Platz finden, daß man mit den Zehen im Schuh spielen kann. Auch die Strümpfe verdienen Beachtung. Ich selbst laufe am besten in leichten Söckchen mit hohem Wollanteil (70-80%) oder nahtlosen Baumwollsöckchen wie "Falke Run". Manche ziehen dickere Strümpfe, z.B. sog. Trekkingstrümpfe, vor, die mir zu warm wären. Man sollte das vorher ausprobieren. Ich glaube nicht, daß es Zufall war, wenn ich auf der ganzen Strecke keine einzige Blase bekam. Besonders in den ersten Stunden und Tagen sollte man seine Füße genau beobachten und beim geringsten Anlaß (Reiben, Drücken) s o f o r t Abhilfe schaffen. Das gelingt meist durch Auflegen dünner Heftpflaster, die man in verschiedenen Formaten mitnehmen sollte. Besonders bewährt hat sich 2,5 cm breites Leukopor (in Frankreich unter der Bezeichnung Urgopor erhältlich). Das ist ein papierartiger Klebstreifen, der nicht aufträgt, aber auf lange Zeit schützt. Man kann die Wirkung durch anschließendes Auftragen von Hirschtalg erhöhen, mit dem das "Papier" eingefettet und zu einer Art zweiter Haut wird. Am besten hat sich Hirschtalgcreme bewährt, die in Drogeriemärkten (z.B. bei Schlecker erhältlich ist. (Man kann mit Hirschtalg auch die Haut gefährdeter Stellen oder den ganzen Fuß einschließlich Sohle einreiben, aber an den so bearbeiteten Stellen klebt Heftpflaster nicht mehr richtig.) Da wir schon beim Thema sind, will ich Sie einen Blick in meinen Arzneibeutel werfen lassen: - neben den Heftpflastern für alle Fälle auch eine Mullbinde - Jodtinktur oder ein anderes Desinfektionsmittel - Aspirin und Halstabletten (z.B. Dorithricin) - Augentropfen (Berberil oder Augentrost), in Plastikampullen abgepackt, für den Fall    von Reizungen oder Verletzungen des Auges (Wind, Flugsand) - Sonnenschutzmittel und Lippenschutz - Niveacreme (z.B. zur Vermeidung oder Behandlung von Hautwolf im Schritt) - Reparil-Gel (oder ein anderes Sportgel) zur Behandlung von Zerrungen und    Muskelschmerzen aller Art. Tröstlich zu wissen: Schmerzen durch Verkrampfung im    Schulterbereich, die das Rucksacktragen leider manchmal mit sich bringt, verschwinden    meist rasch nach Einreiben mit Reparil. - ein Mittel gegen Fußpilze - Insektenschutzmittel

 

Verpackt wird alles in einem bequemen Wanderrucksack (50 Liter) mit Außentaschen. Da kein Rucksack wirklich wasserdicht ist, kommt alles, in Gruppen geordnet, in Plastiktüten, z.B. eine Tüte für frische Kleidung und eine weitere für schmutzige.

Neben der gerade getragenen Kleidung (Kniebundhose oder leichte lange Hose und ein gutes, rasch trocknendes Baumwollhemd) genügt ein Ersatzhemd, eine leichte, lange Hose und Ersatzunterwäsche. Angenehm tragen sich schweißabweisende Skifahrerunterhemden ("Odlo"). Eine kleine Menge eines konzentrierten Waschmittels mitnehmen! Ein wärmender Pullover sollte stets griffbereit sein, wie auch der Goretex-Anorak (stets sofort anziehen, wenn man sich an windiger Stelle schwitzend niederläßt!). Eine Regenhose und - sehr nützlich! - ein Schirm (Knirps) vervollständigen die Regenausrüstung. Nicht schlecht ist ein Stück Isomatte von der Größe des Gesäßes zum Hinsetzen unterwegs. Möglichst leichte Turnschuhe für den Abend. Söckchen zum Wechseln. Schuhpflegemittel. Und natürlich etwas Näh- und Stopfzeug!

Mein leichter Daunenschlafsack (ca. 1 kg) hat mir oft gute Dienste geleistet (nicht überall gibt es Decken!). Damit und mit einem Biwaksack war ich für Notunterkünfte gut gerüstet und hätte auch jederzeit im Freien schlafen können, wenn es nötig geworden wäre. Ein leichter Schlafanzug. Das übliche Wasch- und Toilettenzeug. Etwas Schampon.

Geringe Lebensmittelvorräte kauft man unterwegs. Als Notverpflegung hatte ich etwas Dörrobst und ein paar Knabberriegel (keine Süßigkeiten!). Sehr empfehlen kann ich, stets gesalzene Erdnüsse bei sich zu haben: sie belasten den Magen nicht, geben für ihr Gewicht viel Energie und ergänzen das ausgeschwitzte Salz. Zwischendurch hatte ich auch harten Käse und/oder eine Salami dabei. Teebeutel. Feldflasche!

Die aktuelle Landkarte bzw. den Pilgerführer und den Pilgerpaß trage ich griffbereit in einer kleinen Kartentasche. Kompaß.

Foto und Filme. Schreibzeug (Tagebuch! Ich nahm statt dessen ein kleines Diktiergerät mit, dem ich schon während des Gehens meine Eindrücke anvertraute).

Im übrigen: Ausweise (im Brustbeutel). Geld; Scheckkarte (+ Telefonnummer der Bank für den Fall des Verlustes!). Versicherungskarte. Anschriften und Telefonnummern. Telefonkarte. Wörterbuch. Taschenmesser (mit Korkenzieher und Flaschenöffner). Kleine Taschenlampe. Sonnenbrille. Taschentücher. Ein bißchen Klopapier. Evtl. Badehose.

Wenn alles gepackt ist, darf das Gesamtgewicht meines Rucksacks (ohne Marschverpflegung und bei leerer Feldflasche) 10 kg nicht überschreiten. Notfalls fange ich an nachzudenken, wo Gewichtiges durch Leichteres ersetzt werden kann.

Erfahrenen Wanderern ist dies alles natürlich nichts Neues, aber vergleichen kann man ja immer wieder einmal.

Buen camino!

Johannes Merklein

Checkliste für den Pilgerrucksack

Checkliste für den Pilgerrucksack

- 1 Hemd zum Wechseln
- Ersatzstrümpfe
- Ersatzunterwäsche
- Ersatzhose (=Hose für den Abend)
- Regenhose
- Anorak / Goretexjacke
- Pullover / Fleecejacke
- Regenschirm
- Mütze gegen Sonne und/oder Kälte
- (Handschuhe)
- (Badezeug)

- Taschentücher
- Foto
- Filme
- Ersatzbatterie
- Sportschuhe / Sandalen
- Geld
- EC-Karte (PIN/Tel.Nr.f. Verlustmeld.)

- Brille
- Sonnenbrille
- (Feldstecher)
- Nähzeug
- Klopapier
- Schreibzeug (Diktiergerät)
- Schlafsack (+ Biwaksack?)
- Schlafanzug
- kleine Isomatte
- Messer (+ Teelöffel)
- Trinkflasche
- Taschenlampe
- Karten
- Kompass / Höhenmesser
- Handy (PIN?, Batterie geladen?)
- Verpflegung (Erdnüsse!)

Waschzeug
- Zahnputzzeug
- Rasierzeug
- Minihandtuch
- Kamm
- Haarpflege
- Waschpulverkonzentrat

Ausweise
- Personalausweis
- Credencial - Pilgerausweis
- BahnCard
- Versicherungskarte (BKK)
- Telefonkarte
- Anschriften u. Telefonnummern

Medikamente
- Heftpflaster und Leukopor
- Jodtinktur od. ähnliches
- Hirschtalg
- Zeckenzange
- Sonnen- und Lippenschutz
- Insektenstift
- Reparil - Gel
- Betaisodona Salbe (Antiseptikum)
- Augentropfen (Berberil)
- Aspirin
- Dorithricin od. Hustenbonbons
- Nierentee
- Hautcreme
- (Ohropax)