Pilgerwege

Fränkisch-Schwäbischer Jakobsweg - Erlebnisbericht

Der Fränkisch-Schwäbische Jakobsweg von Würzburg nach Hohenberg (2002) und weiter nach Ulm (2003)

(ein Erlebnisbericht von R. u. G. Lefarth)

Eines Tages fassten wir den Entschluss, ganz bescheiden mit dem Fränkisch-Schwäbischen Jakobsweg zu beginnen. Wir erzählten Freunden von unserem Vorhaben und lösten große Begeisterung aus. Die Zahl der Pilgerwilligen schrumpfte leider familien- und krankheitsbedingt.

So starteten am 31. Juli freudig 5 Jakobspilger nach Würzburg. Nach einer Stadtführung und Besichtigung der Festung Marienberg sowie des Käppele bezogen wir im Hotel Quartier (vielleicht nicht ganz pilgergemäß, doch  wollten wir uns noch einmal was Gutes tun...).

Am Morgen des 01.08. wurden wir von Donnergrollen und heftigen Schauern geweckt. Noch mit Schirm gewappnet gingen wir zur Don Bosco-Kirche (ehem. Jakobskirche) hinauf, wo noch ein weiterer Pilger auf uns wartete. Ausgerüstet mit Jakobsmuschel und Pilgerpass, gestärkt durch Pilgersegen und einem Gläschen Frankenwein zogen wir am Main entlang nach Ochsenfurt. Unterwegs statteten wir den reizvollen Weinorten Eibelstadt und Sommerhausen einen Besuch ab. Nach gut 21 km erreichten wir das Hotel, müde zwar, doch glücklich die erste Etappe geschafft zu haben.

Der 2. Tag führte uns über Tückelhausen (schöne alte Kartäuser-Klosteranlage), Gaukönigshofen und einige andere schmucke Dörfer nach Aub, das wir nach 18 km erreichten.

Am darauffolgenden Tag erfrischten wir uns an der Ottilienquelle in Pfahlenheim und sangen in der Pfarrkirche St. Nikolaus und St. Jakobus zu Gollachostheim, begleitet von der dort zufällig übenden Organistin, „Geh’ aus, mein Herz, und suche Freud’...“. In diesem Ort sollten wir eine weitere nette Begegnung haben: Wir kamen mit einer jungen Frau ins Gespräch, die uns daraufhin zu einem Getränk in ihren Garten einlud. Um 15.00 Uhr kamen wir nach nur 15 km in Uffenheim an. Leider mussten unsere 3 Freunde schon die Heimreise antreten.
Am Sonntag, 4. August, besuchten wir um 8.00 Uhr - nun nur noch zu Dritt – einen Evang.-Luth. Gottesdienst mit Abendmahl, der zu unserer Überraschung im Ablauf wie eine Eucharistiefeier anmutete. Derart gestärkt pilgerten wir über Custenlohr, wo wir uns den Schlüssel für die schöne Dorfkirche bei der Mesnerin holten, die 19 km bis Steinsfeld.

Über Rothenburg o.d.Tauber, wo wir an einer Führung in der altehrwürdigen Stadtpfarrkirche St. Jakob mit dem einzigartigen Heiligblutaltar Riemenschneiders und den von Herlin bemalten Altarflügeln, die Szenen aus dem Leben des Hl. Jakobus darstellen, teilnahmen, erreichten wir nach 16 km Bettenfeld.
In Schainbach, das wir am nächsten Tag erreichten, holten wir uns den Schlüssel zur Ev. Jakobuskirche mit dem schönen Flügelaltar (um 1500), die zu den schönsten Dorfkirchen Hohenlohes zählen soll gegenüber der Kirche bei Fam. Feuersinger. Nach 20 km kamen wir in Wallhausen an.

Unsere Königsetappe mit 26 km hielt einige Überraschungen für uns bereit. Sie führte uns über Crailsheim (Jakobus-Darstellungen in der Ev.-luth. Pfarrkirche) und den Burgberg nach Oberspeltach.

Der letzte Tag unserer Pilgerreise endete nach 18 km in Rosenberg. Da wir dieses Ziel bereits um 13.00 Uhr erreichten, beschlossen wir, noch die 2,5 km nach Hohenberg und zurück zu gehen. In der Pfarrkirche St. Jakobus waren wir voller Dankbarkeit, unser diesjähriges Ziel erreicht zu haben.

Wir sind nun vom  „Santiago-Bazillus“ infiziert, und - so Gott will - gibt es eine Fortsetzung!

 

Übrigens: Den Schirm konnten wir während des ganzen Weges im Rucksack lassen.

    

Fortsetzung des Fränkisch-Schwäbischen Jakobswegs

von Hohenberg  nach Ulm  (2003)

Die schöne Jakobuskirche auf dem Hohenberg bei Ellwangen mit dem von Sieger Köder bemalten Jakobushaus bildete den Auftakt unseres diesjährigen Pilgerweges. Nach einer kurzen Meditation machten sich 7 PilgerInnen auf den zunächst gut ausgeschilderten und im Wander- und Kulturführer „Auf dem Jakobsweg“ beschriebenen Weg. Auf dem Sommerfest der Gemeinde Straßdorf stärkten wir uns mit Kaffee und Kuchen. Kurz vor Wöllstein trafen wir auf zwei fränkische Pilgerinnen, die völlig erschöpft an einer Bushaltestelle standen.

Die zweite Etappe begannen wir in der Jakobuskapelle in Wöllstein. Vom Besitzer des Eremitenhauses nebenan erhielten wir den Schlüssel dazu. Über das von Sieger Köder auf die Außenwand der Kapelle gemalte „Hühnerwunder von Santo Domingo“ berichtete er anschaulich und humorvoll. Eine Woche zuvor hatte unser Bischof Gebhardt Fürst in zwei Tagesetappen die Strecke vom Burgberg bis Wöllstein zurückgelegt und das neue Jakobuskreuz unterhalb der Kapelle (auch eine Arbeit von Sieger Köder) eingeweiht.
Von Wöllstein ging’s steil bergauf nach Hohenstadt. Dort rasteten wir in einem Café gegenüber der Kath. Pfarrkirche „Mariä Opferung“; ein wohltuender, ruhiger Ort. Weiter ging’s Richtung Heuchlingen, wo wir in der Mittagshitze das Mitleid eines vorbeifahrender Bauern erregten, der anbot, uns mitzunehmen, was wir selbstverständlich ablehnten… Für ein Schwätzchen mit ihm nahmen wir uns dennoch Zeit. In Heuchlingens schöner Pfarrkirche fanden wir einen Stempel für Jakobspilger vor. Kurz vor Unterböbingen bot uns eine Bauersfrau Getränke und Sitzgelegenheit an, was wir dankbar annahmen. Obwohl an diesem Tag nur eine Wegstrecke von 16 km zu bewältigen war, kamen wir - bedingt durch die große Hitze und Gehen auf Asphaltwegen - erschöpft in Oberböbingen an. Ein Fußbad im Hotelpool beruhigte unsere malträtierten Füße.
Am dritten Tage führte uns der Weg von Oberböbingen nach Bargau. Auf dem Friedhof vor der Jakobuskirche befindet sich eine große „Muschel“. Wir trugen uns in das dort aufliegende Gästebuch ein und versahen unser Pilgerbuch mit einem Stempel. Den Albaufstieg über das Beurener und Bargauer Kreuz, wo wir eine Rast einlegten, bewältigten wir überraschend gut. Bei den Heidhöfen war dann allerdings eine Erholung fällig.
Danach ging’s „wie von selbst“ nach Böhmenkirch, vorbei am neu restaurierten Jakobus-Bildstock.

Unser nächstes Etappenziel sollte Ettlenschieß sein, doch gibt es in diesem Ort keine Übernachtungsmöglichkeit. Wir wichen somit auf Altheim aus, das von Ettlenschieß 6 km entfernt ist.

Nun zogen wir also von Böhmenkirch Richtung Gussenstadt weiter. Bereits nach wenigen Metern verfehlten wir die „Muschel“, obwohl bis dahin die Ausweisung des Jakobswegs und auch die Beschreibung im Buch gut war. Wir liefen also einen Umweg von ca. 4 km, bevor wir Gussenstadt erreichten.
In der Ev. Kirche zu Gussenstadt, die im übrigen sehr sehenswert ist („Jesus als Apotheker“), trafen wir wieder einmal auf unsere zwei Fränkinnen. Kurz vor Zähringen machten wir Mittagsrast im Schatten großer Bäume. Unsere zwei Pilgerschwestern gesellten sich zu uns. Für die Zähringer Kirche holten wir uns ebenfalls den Schlüssel, sangen ein Loblied und gingen anschließend unserem Ziel, Altheim, entgegen. Ein gutes Abendessen und eine freundliche Wirtin ließen uns die Strapazen des Tages vergessen.
Den darauf folgenden Pilgertag begannen wir in Zähringen. Nach einigen Kilometern verfehlten wir den Weg nach Ettlenschieß und befanden uns plötzlich in Weidenstetten. Wir machten aus der Not eine Tugend und kamen so nach Sinabronn, das im Reiseführer ebenfalls beschrieben ist. Leider wurde das Kirchlein gerade restauriert; wir sahen es uns trotzdem an und hielten eine kurze Andacht. Sehenswert ist dort ein alter Wegweiser! Durch diesen Umweg führte uns der Weg nun nicht nach Lonsee, stattdessen über Halzhausen, Luizhausen und danach auf der Landstraße nach Scharenstetten, um dort wieder auf unseren Jakobsweg zu gelangen. In der Mittagsglut erreichten wir den Ort. Glücklicherweise trafen wir im Garten seines Hauses auf einen Mann, der zufällig der Mesner der sehenswerten Ev. Kirche von Scharenstetten und im Besitz des Kirchenschlüssels war. Er lud uns zu Most und anderen Getränken ein; Derart gestärkt gingen wir unserem Nachtquartier in Temmenhausen entgegen. Auf der Hotel-Terrasse ließen wir den Tag mit weiteren Pilgern ausklingen.

Unser letzter Tag begann bereits um 6.00 Uhr mit dem Frühstück. Wir hatten erfahren, dass man den Mesner der Ev. Kirche Temmenhausen bereits um 7.00 Uhr wegen des Schlüssels stören darf. Mit unserer obligatorischen Meditation und einem Lied zogen wir weiter. Der Weg verlief zunächst über Felder und teilweise entlang der Autobahn, bis er in einen Wald einmündete. Durch ein wunderschönes
Trockental gelangten wir nach Mähringen. Kurz vor diesem Ort verfehlten wir den richtigen Weg. Doch bekanntlich führen „viele Wege nach Ulm…“, und so gelangten wir denn auch über den Eselsberg zur Suso-Kirche, wo wir den „katholischen“ Abschluss unseres diesjährigen Pilgerweges feierten. Unsere zwei Pilgerschwestern waren kurze Zeit vor uns ebenfalls in dieser Kirche gewesen und hinterließen uns ein Abschiedsbriefchen.

Danach strebten wir dem Ulmer Münster zu, hielten dort noch einmal inne und wandten uns danach irdischen Bedürfnissen zu, indem wir im Fischerviertel einkehrten.
Wir erreichten soeben unser Auto auf dem Parkplatz, als ein heftiger Gewitterregen niederging. Bis dahin hatte St. Jakobus die schützende Hand über uns gehalten, wenn auch nicht vor der Sonne, so doch vor dem Regen. Und es sei die Frage erlaubt, was besser gewesen wäre….?