Pilgerwege

Pilgerwege in der Schweiz

Informationen eines Pilgers (13.05.2005)

1. Zeitpunkt: Ich bin am 23. April losgewandert, das war hinsichtlich der Unterkünfte verschiedentlich zu früh, denn in der Phase zwischen Winterurlaub und Sommer nutzt die Gastronomie häufig die ruhige Zeit zum eigenen Urlaub - selbst das "Schlafen im Stroh" ist vielerorts erst im Mai möglich.

2. Auf dem "Schwabenweg" Konstanz - Einsiedeln ist die allgemein empfohlene erste Station Tobel - allerdings ohne Gasthaus mit Übernachtungsmöglichkeit.
Hier bietet Familie Rupp fünf bestens ausgestattete Zimmer auf einem großen Bauernhof (der einstigen "Mühle" der ehemaligen Johanniterkomturei), aus Richtung Affeltrangen gleich nach Überschreiten der Bahnlinie am Bhf. links -9555 Tobel TG, Tel./Fax 0041 71 917 1866, email: f.rupp@tbwil.ch. Familie Rupp steht im Kontakt mit zwei anderen Anbietern von Privatzimmern im Ort.

3. Auf der Strecke liegt weiter der Hörnli-Pass. Das Berggasthaus dort war bis Anfang Mai geschlossen. In diesem Fall sollten die Pilger vorher in Fischingen (Kloster oder Gasthöfe) Station machen, denn eine Tour von Tobel über den Hörnli hinaus ist kaum zumutbar.

4. Die folgende Etappe könnte bis nach Rapperswil führen - vorausgesetzt, man verläuft sich nicht vor oder nach der Ortschaft Wald, wo die Markierung unklar ist oder ganz aussetzt!

5. Wenn die Unterkunftsmöglichkeiten in Einsiedeln erschöpft sind, empfiehlt sich ein Weitergehen bis nach Alpthal. Da der anvisierte Gasthof Brunni Urlaub hatte, war ich dankbar, bei Familie Schuler-Marty (nach der Kirche an der Hauptstraße rechts - Tel. 0041 55 412 1561) unterzukommen, die zwei Zimmer vermieten und Jakobspilgern wohlgesonnen sind. Nach etwa 200 m steigt der Weg hinauf zur Haggenegg.

6. Auch das Berggasthaus Haggenegg war geschlossen. Der Weg auf den Pass ist zwar steil, aber landschaftlich wunderschön, ebenso der Abstieg, der nicht mehr in einer glitschigen Rinne, sondern auf einem befestigten Weg erfolgt.

7. Empfohlen wird Brunnen am Vierwaldstätter See als Station. Danach ist eine Überquerung des Sees per Schiff notwendig. Man möge sich vorher genau nach dem Fahrplan erkundigen, denn so häufig verkehren die Schiffe nicht - was u.U. zu Verzögerungen beim Weiterwandern führt.

8. Wer nach Flüeli-Ranft noch weiter möchte, kann in Sachseln am Sarner See übernachten. Der Gasthof Bahnhof (0041 41 660 1408) vermittelt zusätzlich Privatquartiere.

9. Die nun folgende Etappe zum Brienzer See ist die wohl anstrengendste in der Schweiz. Es geht insgesamt über drei Pässe - zwar Natur pur, aber nach Erreichen das Brünig-Passes geht es nur kaum abwärts, eher gleich wieder in die Höhe. Oben im Wald ist die Markierung an den Bäumen teils abgeblättert, und wenn man nach Brienzwiler (Gasthof Bären 0041 33 951 1323) hinabsteigt, geschieht dies auf sehr steiler Strecke durch eine Art Urwald, wo das Laub tückische Steine bedeckt.

10. Nach Interlaken führt der Weg hinauf zu den Beatushöhlen, bleibt danach ohne besonderen Gewinn oft am Hang und fordert Umgehungen wegen verschiedener Bauprojekte (Seilbahn etc.), so dass sich bald der Uferweg den Thuner See entlang empfiehlt, bevor die Markierung darauf einschwenkt.

11. Auf dem Weg von Romont nach Moudon fehlt vom Funkmast bis nach Curtilles größtenteils die Markierung - hier hilft nur der Richtungsinstinkt.

Vielleicht sind diese Bemerkungen dem einen oder anderen hilfreich.
Mit freundlichen Grüßen
Peter Funk

Bemerkungen zum Jakobsweg durch die Schweiz (Schwabenweg, Bruder-Klaus-Weg, Oberstraß)

Durch die Schweiz folgte ich dem Schwabenweg bis nach Maria Einsiedeln, sodann ab Schwyz dem Bruder-Klaus-Weg entlang/über Vierwaldstätter See, Sarner See, Lungerer See, Brienzer See nach Interlaken, weiter zum Thuner See und nach Schwarzenburg, dann wieder auf der Oberstraß über Fribourg, Lausanne und Genf bis zur französischen Grenze.

Die diversen Routen des Jakobsweges sind in der Schweiz durchgängig mit speziellen festen Schildern gekennzeichnet. Wo keine geeigneten Träger ( Bäume, Mauern etc. ) vorhanden sind, sind eigene Wegweiser ( in der Form etwa unserer Straßenschilder in den Städten ) aufgestellt, welche leicht erkennbar und gut zu finden sind. Obwohl ich in der Schweiz ohne Karte ging und mich nur auf die Markierungen sowie die Wegbeschreibungen ( s.u. ) verließ, hatte ich mit der Orientierung kaum Schwierigkeiten, am wenigsten noch in der Deutschschweiz.

Lediglich in den größeren Städten ( Fribourg !, Lausanne, Genf ) erwies sich die Routenfindung manchmal als problematisch. Die Tafeln tragen zusätzlich ( stramme ) Zeitangaben für die diversen Teilstrecken.

Für die Schweiz stellte ich mir meine individuelle Wegbeschreibung aus Auszügen der folgenden Literatur zusammen:

  1. Jakobswege Württemberg, Baden, Franken, Schweiz von Wolfgang W. Meyer
  2. Auf Jakobswegen Schweiz-Savoyen-Rhone von Bert Teklenburg
  3. Unterwegs sein auf dem Jakobsweg von Rorschach nach Romont durchs Berner Oberland, Wegbeschreibung und Ortsverzeichnis, hrsg. durch Volkswirtschaftskammer Berner Oberland
  4. Jakobswege durch die Schweiz von Jolanda Blum, hrsg. durch IVS, SAW und Les Amis du Chemin de St.-Jacques in der Reihe Ott Spezial Wanderführer

Für die Orientierung am hilfreichsten erwiesen sich die Wegskizzen und die Wegbeschreibungen in Buch Nr. 4,  für die Quartiersuche Nr. 3 ( eingeschränkt auch Nr. 1 ).Das Buch von Jolanda Blum hat allerdings den Nachteil, daß die Wegbeschreibungen häufig nicht konsequent genug von den Anmerkungen zu Geschichte, Kultur und Touristik getrennt sind, was das Durchfinden sehr erschwert.

  1. Konstanz – Tobel: bei schwieriger Quartiersuche vom freundlichen Wirt des Landgasthofes „ Kreuz „ in Tobel mit dem Auto 4 km nach Zezikon zur Dorfkäserei * (B&B) zurückgebracht ( liegt günstig zum Jakobsweg ! )
  2. Zezikon – Kloster und Ort Fischingen: Gasthaus Sternen *
  3. Fischingen – Hörnli 1133 m – Jona/ Rapperswil, harsche An-/ Abstiege am Hörnli im Schneeregen, Weggabelung Rüti/ Jona mißverständlich beschrieben ! ( daher verlaufen ), Jugendherberge in Jona * weit außerhalb, aber freundliche Aufnahme
  4. Jona/ Rapperswil – Etzelpass 946 m – Kloster und Ort Maria Einsiedeln: empfohlener Fußweg im Aufstieg zum Etzelpass ziemlich ausgewaschen und bei Nässe rutschig, dann besser Paßstrasse nehmen
  5. Einsiedeln – Haggenegg 1410 m – Schwyz: steile Wald-/ Almwege auf  das Haggenegg, oben noch Schnee, dann ca. 900 Höhenmeter ! Abstieg nach Schwyz, anfangs durch steile, ausgewaschene, bei Nässe sehr rutschige Rinne; Gasthof/ Hotel Engel * ( neben Kirche am Jakobsweg )
  6. Schwyz – Stans
  7. Stans – Flueli Ranft – Sachseln: In der Ranftschlucht Wallfahrtsort zum Hl. Nikolaus von der  Flue
  8. Sachseln – Brünig Pass 1000m -  Brienzwiler: am Brünig-Pass unsinniger Umweg um Paßrestaurant herum ausgeschildert !, besser direkt auf Straße zum talwärtigen Ende des Gasthofes gehen, wo Abstieg vom Brünigpaß nach Brienzwiler ansetzt; teilweise auf steilen, schmalen Fußpfaden im Wald an langem Talhang entlang, Schwierigkeitsgrad und Länge im Führer Nr. 3 deutlich untertrieben dargestellt !!; Tiefblick auf Militärflugplatz; Brienzwiler schöner Ort, Hotel Bären*
  9. Brienzwiler – Interlaken: hoch über Brienzer See und an Giessbachfällen vorbei, frei gewählter steiler Abstieg zum See
  10. Interlaken – Thun: am Thuner See auf Wanderweg durch NSG Weissenau-Neusee, dann über Wallfahrtsort St. Beatus/ Beatushöhlen nach Thun; schöne Stadt; jedoch eigentlich unzweckmäßige Routenwahl, besser per Schiff unter Vermeidung von Thun direkt von Merlingen nach Spiez über den See setzen und weiter nach Amsoldingen gehen.
  11. Thun – Riggisberg:  hinter Amsoldingen Truppenübungsplatz mit starkem Schießbetrieb, in Wattenwil einziger Gasthof geschlossen, jedoch in Riggisberg freundliche Aufnahme durch Fam. Nussbaum ( B&B )* , günstig zum Jakobsweg gelegen
  12. Riggisberg – ehem. Cluniazenserpriorat Rueggisberg  900m - Schwarzenburg – Tafers - Fribourg – Abbaye Hauterive: Weg durch das Schwarzenburger Land  muß bei gutem Wetter landschaftlich sehr schön sein, Jakobsweg läuft teilweise auf uralten Fahrwegen; nach Tafers Überschreiten der Sprachgrenze; Navigation aus Fribourg heraus schwierig, da die 2 möglichen Wegalternativen ( → Payerne oder → Romont ) nicht eindeutig voneinander unterschieden sind; hinter Fribourg Wege aufgrund intensiver Regenfälle überschwemmt; glücklicherweise in echt benediktinischem Geist sehr freundliche Aufnahme durch die Zisterzienser in der Abtei Hauterive *.
  13. Abbaye Hauterive – Romont: hinter Chavannes-sous-Orsonnes entscheidende Abzweigung zur Abtei der Zisterzienserinnen La Fille-Dieu verfehlt ( wurde von anderen Jakobspilgern gelobt ), daher Übernachtung in Romont
  14. Romont – Montpreveyres: schöne, hügelige Strecke, jedoch etwas Probleme mit den Markierungen.
  15. Montpreveyres – Lausanne: Weg immer in Hörweite der Nationalstraße Bern – Lausanne entlang; gute Routenwahl nach Lausanne hinein, Markierung zwar vollständig, jedoch etwas knifflig, erfordert Aufmerksamkeit
  16. Lausanne – Genf: mit Schiff, da Ufer des Genfer Sees stark verbaut

Buen Camino!
Dr. Hans J. Kolbinger, Regensburg