Pilgerwege

CAMINO DE BAZTAN, ein alternativer Weg über die Pyrenäen

Noch im letzten Jahr hatte ich von diesem Jakobsweg gar nichts gehört,  doch dann wurde uns der  Weg als eine kurze, aber sehr schöne Alternative für die Pyrenäen-Überquerung nach Pamplona empfohlen, Start in Bayonne. Und da wir nur eine gute Woche Zeit hatten, machten wir uns  am 22.7.2018 auf unsere diesjährige 5 -6 tägige Wanderung. Von der beeindruckenden Kathedrale in Bayonne ging es durch die schöne Altstadt hinunter zum Flüsschen Nive, wo wir schon nach wenigen Minuten die Stadt auf dem ehemaligen Treidelweg am Ufer entlang verlassen konnten, und uns die ersten 10 Kilometer auf diesem schönen grünen (leider asphaltierten)  Weg gut einlaufen konnten. Aber ab Usteritz begannen dann die Auf- und Abstiege, die uns den weiteren Camino begleiten sollten, uns aber durch eine wunderschöne grüne Landschaft mit den typischen weißen baskischen Häusern und gut gepflegten Dörfern führten. Die erste Etappe beendeten wir in Espelette (25km), einem besonderen Kleinod unter den baskischen Dörfern und deshalb mit etwas Tourismus. Auch machte eine Woche später die Tour de France hier Station, was im Städtchen schon gebührend angekündigt wurde. Wir übernachteten privat bei einem Künstler, der über seinem Atelier ein paar einfache Zimmer für Pilger eingerichtet hatte.

Die nächste Etappe hielt ein paar steilere Aufstiege bis auf 400m bereit, eine Gruppe Geier hoch über uns auf einem Felsen  und den Grenzübertritt nach Spanien, an dem uns die vielen Ventas, Supermärkte, Restaurants, Tankstellen zum billigen Einkaufen für die Franzosen auffielen. Doch schon bald waren wir wieder auf schmalen, einsamen Pfaden unterwegs und schon früh an unserem heutigen Ziel Urdax (16km), wo das kleine Dörfchen von dem imposanten ehemaligen Augustiner- Kloster dominiert wird. Dort fanden wir Unterschlupf, denn ein Flügel des Klosters ist als Pilgerherberge eingerichtet, mit großem Schlafsaal, Küche, Aufenthaltsraum, und allem, was ein Pilgerherz sich wünscht. Der Blick vom Schlafsaal auf den Kreuzgang mit einer Ausstellung regionaler Künstler war beeindruckend. Drei spanische Pilgerinnen, die einzigen, die wir immer mal wieder auf unserem Weg trafen, übernachteten mit uns hier.

Am 3. Tag stand uns direkt nach Urdax ein Aufstieg bis auf knapp 600m bevor, teils steil, teils auf Waldwegen, fast immer schattig kühl in dichten Wäldern, mit oft grün bemoosten Eichen, kleinen Bächen und Furten und immer wieder „Matschlöchern“ (vom vielen Regen im Frühjahr), durch die wir waten mussten. Wir durchquerten mehrere bezaubernde Bergdörfer, in denen wir die großen Häuser, Palacios Indianos, bewunderten, jedes mit seinem eigenen Familienwappen über dem Eingang. (Viele der Basken sind im 19. und 20. Jahrhundert nach Südamerika ausgewandert und dann als reiche Familien später in ihre Heimat zurückgekehrt.) Nach dem Pass stiegen wir ab in das Tal des Baztan, einem kleinen Fluss, der diesem Jakobsweg seinen Namen gab. Für einige Kilometer folgten wir ihm gemütlich flach bis zu unserem Etapppenziel, der regionalen Hauptstadt Elisondo „(23km), wo wir in einer einfachen Jugendherberge unsere Schlafsäcke ausrollten. In der kleinen Stadt pulsierte das spanische Leben, denn es gab eine Feria mit Musik und Umzügen. Was für ein Kontrast zu unserem beschaulichen Kloster- Aufenthalt gestern!

An unserem 4. Pilgertag hatten wir wieder nur eine kurze Strecke vor uns bis zu unserem Ziel Venta de San Blas (17km), aber nach einem kurzen ebenen Wegstück nochmal am Flüsschen Baztan entlang,  ging es an diesem Tag wieder kräftig bergauf und bergab. Kurz bevor wir zu unserer Herberge auf 7oom hochgearbeitet hatten, mussten wir nochmal tief ins Tal hinunter. Aber dafür  wurden wir entschädigt durch kleine einsame Waldpfade, blühende Wiesen mit weidenden Kuh- und Schafherden und immer wieder die abgeschiedenen, schönen Bergdörfer, in denen es aber nur leider selten noch eine Bar für eine kleine Erfrischung gab. Dafür aber freundliche Dorfbewohner, die sich freuten, mit uns ein paar Worte zu wechseln. Unser Hostal lag ganz alleine an der Passstraße im Wald und wir wurden sehr freundlich begrüßt und bewirtet.

Am nächsten Tag, der „Königsetappe“ dieses Weges, hieß es sofort „in der Falllinie“ aufwärts zu steigen, denn heute galt es, über den Col de Benate (930m)  den Pyrenäen-Kamm zu überqueren. Zum Glück wandelte  sich der steile Pfad bald in einen bequemen Forstweg, der sich nur leicht, aber stetig ansteigend durch herrliche, lichtdurchflutete Buchenwälder schlängelte. Ein frohes Wandern in purer Einsamkeit und Naturschönheit! Immer wieder auch liefen unsere Füße über zum Teil noch sehr gut erhaltene Abschnitte des Camino Real, Pflastersteine, die schon seit Hunderten von Jahren den Weg für Pilger, Händler, Soldaten festigten. Für mich immer wieder ein besonderes Gefühl, sich buchstäblich in den Gang der Geschichte mit einzureihen. Nach mehr als 2 Stunden im schattigen Wald traten wir hinaus auf eine Hochebene mit herrlichem Blick zurück in das durchwanderte Tal, wo noch Wolkenbänke lagen, und voraus in  Richtung Navarra. Bald waren wir am Pass, wo uns die Eremita de Santiago erwartete, vor einigen Jahren noch eine Ruine, aber jetzt von einem regionalen Jakobusverein wieder zu einem Schmuckstück aufgebaut. Und was für ein Glück: nachdem bisher leider (fast) alle Kirchen am Weg geschlossen waren, empfing uns dieses Kirchlein mit einem schlichten, ergreifenden Innenraum und einer Santiago-Statue. Und nicht nur das: auch mit Wein, Brot, Käse und Schinken wurden wir gestärkt, denn einige Männer des Vereines  waren noch am Arbeiten hier und luden uns zu ihrem Vesper ein, ein schöner Pilgermoment!. Danach ging es abwärts (aber nicht nur!), noch etwa 2 Stunden durch den Wald, dann hinaus auf Wiesenpfade und kleine Straßen, wo uns die Hitze überfiel,  mit der in diesen Tagen ja ganz Europa zu kämpfen hatte. Und so  wurden uns die letzten Kilometer schon etwas schwer, bis wir uns in der städtischen Pilgerherberge in Olagüe (19km)ausruhen konnten und in Ermangelung anderer Möglichkeiten selber Spaghetti kochten.

Der letzte Tag bis nach Pamplona (27km) war wegen der Entfernung und der Hitze sicher mit der anstrengendste, obwohl wir uns jetzt schon am Fuße der Pyrenäen befanden  und der Weg sich nur noch über kleine Hügel schlängelte. Was für eine veränderte Landschaft: nicht mehr das saftige Grün der Wiesen und Wälder, sondern braunes Gras, staubige Bäume, und statt der Tierherden abgeerntete Ackerflächen. Auch die schmucken Dörfer gab es nicht mehr, immer wieder auch verfallene oder vernachlässigte Gebäude. Das letzte Stück vor Pamplona führte wieder etwas schattiger am Fluss Ultzama vorbei, aber leider auch asphaltiert, wie bei unserer ersten Etappe. Bei Trinidad de Arre stießen wir auf den Camino Frances, wo nun die aus Roncevalles kommenden  Pilger mit uns zusammen nach Pamplona wanderten. Dort wurden wir in der deutschen Herberge „Casa Paderborn“ sehr freundlich empfangen und betreut.  Eine perfekte Pilgerwoche!

Almut Bélard, Stuttgart, Pilgerberaterin

Almut Belard hat einige der Imperssionen auch als Aquarell festgehalten